Mein Sonnenschein
Ich durfte eine sehr schöne Schwangerschaft ohne Komplikationen erleben. Bis zu jenem Morgen, Ende Mai , als ich mit Unterleibsschmerzen aufwachte. Ich dachte, dass ich wilde Wehen habe, was leider nicht der Fall war. Wir gingen sicherheitshalber zum Frauenarzt, welcher feststellte, dass der Muttermund schon 2cm offen war. Mit Wehenhemmern und Lungenreifung wurde ich mit dem Krankenwagen nach Luzern in die Frauenklinik gebracht. Trotz allen Bemühungen war die Geburt nicht mehr aufzuhalten. Nach nur 13 Sdt. kam unser Patrick mit Notkaiserschnitt zur Welt. Patrick war bei der Geburt regungslos und atmete nicht. Da alles sehr schnell gehen musste, durfte ich meinen Sohn nicht sehen. Als die Ärzte ihn reanimiert hatten, war sein Zustand dann stabil. Einen Tag später konnte mein Mann mich mit dem Rollstuhl in das Kispi fahren und ich durfte das erste Mal meinen Sohn sehen. Ich war noch immer im Schock von den Ereignissen der letzten Stunden, dass ich die Maschinen und Monitore, gar nicht wahrnahm. Ich sah nur meinen kleinen Sohn und weinte, weil er jetzt da so alleine liegen musste und ich ihm nicht mehr den Schutz und die Wärme geben konnte, die er noch so dringend gebraucht hätte. Am Dienstag teilte mir dann eine Ärztin mit, dass Patrick eine sehr starke Hirnblutung hatte und wir jetzt abwarten müssen, wie sich das weiter entwickeln würde. Als am 13. Tag Patrick dann extubiert werden konnte, durfte ich meinen Sohn das erste Mal Känguruhen. Einerseits war das schön, doch hatte ich auch Angst, dass es für Patrick zu viel Stress wäre und er in meinen Armen sterben könnte. Ich konnte es erst nach ein paar Tagen so richtig geniessen. Besonders, weil er dann, auch bei seinem Papi, weniger Apnöen machte. Nach 7 Wochen auf der Neo, kam er noch für 5 Wochen auf das 3West. Für mich waren die 12 Wochen eine sehr, sehr schlimme Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich die ganze Zeit neben mir stand und nur funktionierte. Für mich war das schlimmste, dass mir niemand sagen konnte, dass alles gut kommen würde. Als wir dann Patrick mit nach Hause nehmen konnten, entwickelte er sich prächtig. Es kehrte wieder Ruhe ein und wir durften endlich eine Familie sein. Erst jetzt realisierte ich, was ich alles erlebt hatte. Mir ging es immer schlechter. In der „Elterngruppe frühgeborener Kinder“ merkte ich zum ersten Mal, dass das ganz normal war, was ich empfand. Ich fühlte mich in der Gruppe sehr wohl, merkte aber, dass ich professionelle Hilfe brauchte. Ein anderes Mami in der Gruppe war auch diesen Weg gegangen und konnte mir eine gute Therapeutin empfehlen, welche ich dann aufsuchte. Wie bereits im Kispi, hat Patrick immer noch wöchentlich Physio und seit er 1 1/2 jährig ist auch Heilpädagogische Früherziehung, sowie regelmässige Kontrollen in der Augenklinik. Im Mai dieses Jahres, wurde Patrick nun schon 3 Jahre alt. Trotz seiner leichten geistigen und körperlichen Behinderung ist Patrick ein Sonnenschein, mit sehr viel Temperament und Energie. Eine Krankenschwester sagte uns schon nach wenigen Tagen, dass sie uns viel Vergnügen wünsche mit unserem Sohn. Wie Recht sie hatte !